Wenn 2 Kulturen aufeinander treffen…

Deine Entscheidung ist gefallen. Ob langfristig geplant oder kurzfristig entschlossen, egal. Ob du nun mit finanziellen Mitteln anreist, die für den Rest deines Lebens ausreichen oder “nur” mit ein paar sauer angesparten Euros, auch das ist egal. Immer triffst du auf eine eigene, dir fremde Kultur.

Der Begriff Kultur umfasst Sprache, Lifestyle, Religion, Bildung und alle Formen des Lebens, welche man mitten unter einer bestimmten Gruppe erworben hat. Kultur entwickelt sich von Generation zu Generation weiter. Unser natürliches Sozialverhalten und Verhaltensweisen in speziellen Situationen sind durch unsere Erziehung, Bildung, Freundeskreis und Umfeld geprägt. Über Jahre hinweg haben wir uns, meist unbewusst, unseren eigenen Verhaltenskodex, wie wir in einem bestimmten Umfeld reagieren und agieren, an unsere “alte Heimat” angepasst. In einem fremden Land, also einer fremden Kultur, fehlt zunächst dieser angeeignete Verhaltenskodex.

Du wirst viel Energie aufbringen müssen, um herauszufinden, wie du in alltäglichen Situationen reagieren solltest. Es kommt zu einer Orientierungslosigkeit, die auch als “Kulturschock” bezeichnet wird: Wir fühlen uns fehl am Platz …

Sind alle Auswanderer vom Kulturschock betroffen?

Jeder ist betroffen.

Immer dann, wenn du dich für längere Zeit fern der Heimat, deines persönlichen Umfeldes, aufhältst, wirst du an deinem Verhalten verschiedene Symptome des Kulturschocks feststellen. Du solltest wissen, wie der “Kulturschock” entsteht. Das wird helfen, mit unerwarteten Reaktionen umzugehen. Plane deine Auswanderung ohne Stress. Auch der Zeitpunkt kann entscheidend sein: Löse zunächst noch alte Probleme und mache dich frei von Gedanken wie “was habe ich nur vergessen”. Ein Rückhalt und Unterstützung von Familie und Freunden wird wesentlich zu einer Abschwächung des Kulturschocks beitragen. In unserer Modernen Welt, wo Umzüge alltäglich sind, ist es notwendig zu lernen: “Lebewohl zu sagen”. Du solltest lernen mit deiner Trauer über den Verlust der Vergangenheit, deiner vertrauten sozialen Welt, deinen Verwandten und zu deinem ehemaligen Arbeitsumfeld, umzugehen. Dein zukünftiger Neuanfang erfordert eine gesunde Trennung von der Vergangenheit.

Kulturschock – Symptome & Probleme:

Die Anstrengung und Stress, die durch eine kulturelle Orientierungslosigkeit entsteht, haben oft seelische und körperliche Ursachen, zu der eine Reihe von Symptomen zählen: Körperlich kann es zu Müdigkeit, erhöhte Anfälligkeit für Krankheiten, Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, erhöhte Herzfrequenz und Atmung, Veränderungen der Schlafgewohnheiten, Appetitlosigkeit, Konzentrationsschwäche oder dergleichen kommen. Emotional kann es sein, dass du „Achterbahn“ fährst: Höhen und Tiefen wechseln sich ab, Angst, Schuldgefühle, Reizbarkeit, Ärger, Wut, Verachtung, die Sehnsucht nach der vertrauten Umgebung, ein Gefühl von Verlust, Trauer, Depression oder erhöhter Konflikt zwischen Ehegatten oder Geschwister können sich einstellen. Eine Familie kann sich durch das Gefühl fremd und getrennt von ihrer Umgebung zu sein, komplett isolieren. Sie kann in eine extreme Abhängigkeit zu sich selbst fallen, versucht, durch starre Schließung ihrer Grenzen zur Außenwelt, die neuen Aufgaben und Umgebung zu bewältigen. Eine weitere Reaktion ist die Isolierung bestimmter Personen innerhalb der Familie, wobei alte Werte über den Haufen geworfen werden und die Person sich innerlich von der Familie löst.

Wie lange dauert die Eingewöhnungsphase, oder wie lange leidet man unter einem Kulturschock?

3 Herren auf der Parkbank 3 Herren auf der Parkbank © FrankMarenbach.de

Wikipedia schreibt darüber folgendes:

Der Begriff Kulturschock bezeichnet den schockartigen Gefühlszustand, in den Menschen verfallen können, wenn sie mit einer fremden Kultur zusammentreffen. Der Begriff wurde von Cora DuBois, einer US-amerikanischen Anthropologin 1951 eingeführt. Kalervo Oberg erweiterte diesen Begriff, um ihn allgemeiner anzuwenden und führte eine Theorie basierend auf vier Phasen (“Honeymoon Phase”, Krise, Erholung und Anpassung) ein. Dies wurde später mit dem U-Modell und dann mit dem W-Modell beschrieben.

U-Modell

In diesem Modell wird nicht der punktuelle Schock beschrieben, sondern der länger anhaltende (gelegentlich über mehrere Monate). Dabei verläuft die Zeit auf der horizontalen Achse, das Wohlbefinden wird auf der vertikalen Achse eingetragen. Mit “U” ist die graphische Form beschrieben, die die Kurve annehmen kann.

Honeymoon-Phase

Während dieser Zeit werden die Unterschiede zwischen der alten und der neuen Kultur in einem romantischen Licht gesehen – wunderbar und neu. Zieht jemand zum Beispiel in ein anderes Land, so genießt die Person das fremde Essen, die andersartige Architektur und wie die Menschen leben. In den ersten Wochen sind die meisten Menschen von der neuen Kultur fasziniert. Eine Phase der Beobachtung, die voll von neuen Entdeckungen ist.

Krise

Es fällt einem auf, was alles nicht so ideal ist in der “neuen” Kultur und man tritt häufig in Fettnäpfchen. Typisch ist der Gedanke “zu Hause wird das besser gemacht”. Sprachliche Barrieren und mangelnde Kenntnis spielen dabei häufig eine Rolle.

Erholung

Man entwickelt Verständnis für die Handlungsweisen, die von der Heimatkultur abweichen und versucht sie zu verstehen.

Anpassung

Die Person hat sich in die neue Kultur integriert, sie versteht die Kultur und übernimmt teilweise sogar Verhaltensmerkmale der Fremdkultur.

W-Modell

Mit dem sogenannten W-Modell wird das U-Modell um eine weitere Phase erweitert, und zwar die Phase der Rückkehr in die eigene Kultur. Da diese ähnlich verlaufen kann wie der erste Abschnitt, liegen hier zwei U-Modelle hintereinander, oder eben (aufgrund der graphischen Ähnlichkeit) das W-Modell. Zur Abgrenzung des Schocks, der bei der Heimkehr entstehen kann, vom Schock in der Fremdkultur, wird ersterer Eigenkultur-Schock genannt.

Eigenkultur-Schock

Das Phänomen des Eigenkultur-Schocks (auch umgekehrter Kulturschock) beschreibt das Phänomen eines Kulturschocks bei der Rückkehr aus einer fremden Kultur in die eigene Heimat. Dieser sei dabei in der Regel heftiger als bei Eintreten in die fremde Kultur, da die Notwendigkeit einer Reintegration in die eigene Kultur in der Regel eine höchst unerwartete psychologische Erwartung darstelle. Kulturschock Kulturschock © Martin Woesler

So kannst Du den Kulturschock überwinden:

1. Erkenne, dass du dich in einem kulturellen Übergang befindest und sei freundlich zu dir selbst.
2. Reduziere andere Spannungen in deinem Leben. Freue dich doch.
3. Baue auf die Unterstützung der Familie. Finde Freunde, die zuhören und dich bei deinen Problemen unterstützen.
4. Lerne die spanische Sprache. Ohne dies wird es extrem schwierig werden, sich zu verständigen und die Mentalität der Dominikaner zu verstehen.
5. Unternehme alles, um die Menschen und Kultur des Landes zu verstehen – ohne die alte und neue Kultur miteinander zu vergleichen. du kannst deine Kultur nicht mit der in der Dominikanischen Republik vergleichen.
6. Steigere dein Selbstbewusstsein zu deiner eigenen Kultur, eigener Werte und grundlegenden Gedanken, Einstellungen und Regeln.
7. Besuche einen professionellen Therapeuten. Bespreche offene Fragen zu deiner Vergangenheit im Zusammenhang mit der aktuellen Situation, oder bespreche aktuelle Themen, einfach um eine Perspektive zu bekommen.

In der nächsten Ausgabe zum Auswandern in die Dominikanische Republik erfährst du

zu welchem Zeitpunkt du dich angepasst hast, ob du die Einwanderung schaffen kannst und wann du deinen Kulturschock überwunden hast.