Miriam, ihr Mann Buschi und Hund Lucky wanderten 2004 in die Dominikanische Republik nach Las Terrenas auf die Halbinsel Samana aus um sich dort eine neue Existenz aufzubauen. Für den damals zehn Jahre alten Lucky begann das letzte große Abenteuer. Kaum angekommen, schloss er viele Freundschaften mit Zwei- und Vierbeinern. Er verbrachte noch eine schöne, erfüllte Zeit, aber dann machte sein krankes Herz eines Tages nicht mehr mit – er starb in Miriams und Buschis Armen am Strand, wo er so gerne getobt hatte. In seinem Gedenken wurde die Tierschutzorganisation Amigos de Lucky gegründet. Lucky war ein Straßenhund, dem geholfen wurde. Und die Tierschutzorganisation sieht ihre Hauptaufgabe darin, den Straßen- und Strandhunden zu helfen.

Heute besuche ich Miriam und Andreas Busch – die Gründer der Tierschutzorganisation “Amigos de Lucky”.
Bei meinem Eintreffen werde ich nicht nur von elf Hunden freudig begrüßt, sondern auch von einigen Enten und Gänsen.

Das diese Tiere alle so friedlich mit einander leben, wundert mich. Welche Tiere leben mit Euch so zusammen und wie verstehen die sich untereinander?

Miriam: “Hunde, Katzen, Pferde, Kaninchen, Enten, Gänse und Hühner. Aber wir hatten auch schon eine zahme Palmenkrähe, zwei Hispaniola-Schleiereulen, einen Buntfalken und mehrere Antillen-Schmuckschildkröten. Und natürlich leben hier auf unserem Grundstück auch diverse Schlangenarten, Eidechsen, Geckos usw. die von uns selbstverständlich in Ruhe gelassen werden. Bei uns gilt die Regel “leben und leben lassen”, daran müssen sich auch die Tiere halten und komischerweise funktioniert das prima, d.h. die Hunde jagen nicht die Enten oder die Katzen nicht die Hühner. Ich führe jeden neuen Patienten der von uns aufgenommen wird vorsichtig an die anderen Tiere heran und dann darf einmal geschnuffelt werden. Danach verstehen sie sich gut. Anders würde das Zusammenleben auch nicht funktionieren, denn wie du siehst gibt es bei uns keinerlei Käfige oder so.”

Wie kommt man bitte an solche Exoten wie Eulen und Falken?

Andreas: “Die Vögel und Schildkröten haben wir Wilderern abgenommen. Die Vögel holen sie aus den Nestern wenn sie noch nicht flügge sind und versuchen sie zu verkaufen. Das ist einerseits ungesetzlich, andererseits absolute Tierquälerei, da die Leute keine Ahnung haben wie man die Tiere ernähren muss. Die Schildkröten werden für den Verzehr verkauft, oft werden sie Kopf über an einem Draht aufgehängt, in der prallen Sonne.”

Miriam: “Wir reden dann mit den Wilderern, erklären ihnen die Gesetzeslage und versuchen ihnen bewusst zu machen, wie sehr sie damit nicht nur dem jeweiligen Tier sondern auch dem ökologischen Gleichgewicht schaden. Die Tiere nehmen wir bei uns auf, versorgen sie wenn nötig medizinisch und füttern sie artgerecht, was bei Schleiereulen und Falken nicht gerade einfach ist. Wenn sie noch nicht lange in Gefangenschaft waren, geht es mit dem Auswildern sehr schnell, denn dann funktionieren die natürlichen Instinkte z.B. der Jagd noch sehr gut. Bei dem Falken haben wir sehr lange gebraucht, aber auch er konnte in die Natur zurückkehren und ab und zu besucht er uns noch. Neulich saß er mit einer von ihm erlegten Ratte auf dem Dach, dass sind dann absolute Glücksmomente in unserem Leben!”

Aber das ist ja nicht eure Hauptaufgabe. In erster Linie kümmert ihr Euch um Hunde und Katzen. Wie fing das alles mal an?

Miriam: “Vor 16 Jahren, als wir das erste Mal im Urlaub hier her kamen, lernten wir die dominikanischen Straßen- und Strandhunde kennen, friedliche, liebevolle und sehr kluge Geschöpfe. Leider waren die meisten in einem schlimmen Zustand. Dünn, räudig, verwurmt, voller Zecken und Flöhe und oft mit Wunden. Die Weibchen hatten ständig Welpen, oft bis zu zwölf in einem Wurf, bei dem geringen Futter was sie auf der Straße fanden, konnte sich ihr Körper nie erholen und da sind Krankheiten vorprogrammiert. Wir haben dann schon immer während unseres Urlaubs die Tiere medizinisch behandelt und sind mit ihnen zum Tierarzt gefahren um sie kastrieren zu lassen. Als unsere Entscheidung fest stand, dass wir von Berlin nach Las Terrenas auswandern, wollte ich mich unbedingt für diese Tiere engagieren. Das ist jetzt neun Jahre her.”

Und was genau macht ihr um den Tieren zu helfen?

Miriam: “Es geht vor allem darum, dass wir ein besseres Miteinander zwischen Mensch und Tier erreichen. In meiner Anfangszeit haben sich die wenigsten Dominika ner um ihre Hunde oder Katzen gekümmert. Sie haben sich auch keine Gedanken gemacht ob ein Tier Futter, Wasser oder Medikamente braucht und gestreichelt haben sie die Tiere meist auch nicht. Damals hat man noch oft gesehen, dass Hunde mit Steinen beworfen oder mit einem Stock geschlagen wurden. Ich habe dann den Leuten sehr behutsam erklärt, wie schön es sein kann, wenn der Hund dein Freund ist und was er braucht um gesund und artgerecht leben zu können. Die Aufklärungsarbeit ist mir sehr wichtig, denn nur dadurch kann man auf Dauer ein Umdenken erreichen und den Tieren eine bessere Zukunft in ihrer natürlichen Umgebung bieten. Und natürlich haben wir durch die Kastrationen die Population der Tiere senken können, so das erst gar nicht so viel ungewollte Tiere ausgesetzt werden.”

Ja, gerade hier in Las Terrenas kann man den Unterschied extrem sehen. Früher gab es so viele Straßenhunde und alle sahen schlecht aus. Heute sind es viel weniger und die, die da sind sehen sehr gesund und gut genährt aus. Liegt das vor allem an euren Kastrations-Kampagnen?

Andreas: “Wir haben in den neun Jahren mehr als 2.000 Tiere kastriert. Wenn man davon ausgeht, dass die Hündinnen zwei mal im Jahr durchschnittlich acht Welpen pro Wurf haben, dann sind das ca. 20.000 Welpen pro Jahr, die gar nicht erst geboren werden. Und da wir fast ausschließlich Weibchen kastrieren, kann man sehr schnell einen Erfolg sehen. Zusätzlich versuchen wir herrenlosen Tieren ein neues Zuhause zu geben, indem wir Familien suchen, die diese Hunde adoptieren.”

Miriam: “Bei unseren Kastrations-Kampagnen werden auch alle Tiere entwurmt und gegen Haut-Parasiten behandelt. Dadurch geht auch auch die Räude zurück. Wenn ein Hund krank aussieht oder Räude hat, dann ekeln sich die Leute vor ihnen oder haben Angst vor Ansteckung. Die meisten Straßenhunde bekommen während der OP eine gelbe Ohrmarke, so kann man schon von weitem sehen, das dieser Hund kastriert und gesund ist. Wenn die Hündinnen nicht mehr ständig läufig, schwanger oder säugend sind, reicht das Futter was sie finden auch aus, um gut genährt zu sein. Da heute die Bevölkerung durch unsere Arbeit sehr viel aufgeschlossener den Tieren gegenüber ist, kann man oft beobachten wie sie den Hunden etwas von ihrem eigenen Essen zuwerfen. Mittlerweile haben wir hier Straßen- und Strandhunde die richtig dick sind…”

Tierschutzverein Amigos de Lucky
Fotos: Tierschutzverein Amigos de Lucky © amigos-de-lucky.org

Behandelt ihr nur die Straßentiere?

Miriam: “Nein, wir kümmern uns auch um die Tiere der armen Bevölkerung, helfen auch mal hier und da mit Futter aus. Zu unseren Kastrations-Kampagnen kann selbstverständlich jeder Tierbesitzer kommen und sein Tier behandeln lassen. Allerdings bitten wir dann darum, das die Leute das bezahlen, was ihnen möglich ist. Wir arbeiten mit einer sehr erfahrenen Tierärztin aus Deutschland zusammen, sie macht nichts anderes als 250 Tage im Jahr um die Welt zu reisen und zu kastrieren, dass sind pro Jahr ungefähr 4.000 Tiere die sie operiert, sie ist also ein absoluter Profi. Da wir bei den Kastrationen höchste Ansprüche stellen, arbeiten wir nicht nur steril, sondern auch ausschließlich mit Material und Medikamenten aus Deutschland. Das kostet natürlich eine Menge Geld. Die Vorteile liegen aber klar auf der Hand, die Tiere können, nachdem sie nach der OP wach genug sind, gleich wieder zurück in ihr angestammtes Revier. Da wir ein Depot-Antibiotika spritzen, müssen sie nicht tagelang nachbehandelt werden und auch die Fäden lösen sich von selbst auf.”

Was kostet denn eine Kastration und wie bringt ihr das Geld auf?

Andreas: “Eine Hündin kostet 45,- €, ein Rüde 25,- €, eine Katze 25,- € und ein Kater 15,- €. Das sind nur die reinen Materialkosten, wir oder auch unsere Helfer arbeiten alle ehrenamtlich. Finanzieren können wir uns nur durch Spenden. Dafür haben wir hier in Las Terrenas z.B. Spendendosen in einigen Geschäften aufgestellt oder die Leute können an unserem Markstand, den wir regelmäßig betreiben, von Hundehalsbändern bis hin zu gebrauchten Elektrogeräten alles zu Gunsten der Tiere erwerben. Natürlich freuen wir uns auch über Sachspenden, die wir dann dort verkaufen oder Leute, die für Essen und Getränke während unserer Kampagnen sorgen. Der größte Teil der Geldspenden kommt allerdings von Privatpersonen aus Europa oder den USA. So bieten wir auf unserer Internetseite dauerhafte Patenschaften für Tiere an oder Spender werden in unserem Spendenkalender eingetragen und übernehmen die Kosten für eine oder mehrere Kastrationen. Leider ist es schwierig genügend Spenden zu bekommen.”

Miriam: “Kastrationen retten Leben – gerade die schrecklichen Ereignisse in der Ukraine haben gezeigt, wie wichtig die Kontrolle der Tierpopulation ist. Wir wünschen uns so sehr, dass die Menschen anfangen umzudenken. Überfüllte Tierheime, wo die Tiere eingesperrt sind und nicht artgerecht gehalten werden können, können auf Dauer keine Lösung sein, zu mal die Kosten dafür letzten Endes viel höher sind.”

Euer selbstloses Engagement ist wirklich unglaublich und ich wünsche Euch weiterhin so viel Erfolg und hoffentlich viele großzügige Spender.

Miriam: “Vielen Dank Frank – aber so selbstlos sind wir gar nicht, denn wenn man heute die gesunden und glücklichen Tiere sieht, oder wie die Strandhunde ausgelassen mit einander spielen, dann gibt einem das selber ein sehr gutes Gefühl.”

Und auch ich fahre nach diesem Interview mit einem guten Gefühl nach Hause – dem Gefühl zu wissen, dass es Menschen gibt, die sich dem Schicksal der dominikanischen Tiere annehmen.

Wenn Du mehr über die Arbeit der “Amigos de Lucky” erfahren möchtest, dann besuche ihre Webseite.
Für ein besseres Miteinander zwischen Mensch und Tier.

Anschrift und Kontaktdaten

Tierschutzverein Amigos de Lucky Miriam und Buschi
32000 Las Terrenas
Tel.: 809-855-2780 Tel.: 809-918-0065 Tel.: 829-291-1111
eMail: info(@)amigos-de-lucky.org
Web: www.amigos-de-lucky.org

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