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In der Dominikanischen Republik befinden sich die höchsten Berge der Karibik. Der Pico Duarte und Pico La Pellona sind über 3.000 Meter hoch. Nachstehend kannst Du meinen Reisebericht aus dem Jahr 1998 als Auszug aus „Dominikanische Republik für Individualisten“ lesen. Ich habe festgestellt, dass der Bericht immer noch so gut wie aktuell ist. Die Fotos sind auf mehreren 5- und 6-Tagestouren zum Pico Duarte entstanden.

… Es war später Nachmittag als wir im Restaurant Molino saßen und über das unter uns liegende Cibao-Tal und die dahinter aufragende Zentralkordillere blickten. Wir tranken unsere Cuba-Libre, ließen die letzten Tage nochmals an uns vorüber ziehen. Das Abendrot stellte sich langsam ein. Ein strahlend blauer Himmel mit wenigen Bilderbuchwolken verwandelte sich langsam von einem sanften Orange in ein kräftiges Rot.
Wir wollten noch nicht zurück nach Cabarete. Träumend saßen wir dort und die Zeit schien uns stehen zu bleiben.
Es wurde dunkel, unter uns gingen die Lichter von Santiago und Moca an. Die Lichter von Moca gingen aber schnell wieder aus, Stromausfall. Wir bestellten einen weiteren Cuba-Libre und bestellten uns auch etwas zu essen. Es wurde ein wenig kühler hier bei Molino, aber innerlich wärmten uns die Cubas so nach und nach wieder auf.

Viele Menschen wünschen und träumen davon einmal aus zu steigen, nur kurzzeitig, aber mal wirklich raus. Die letzten Wochen hatten wir es erlebt, einen Einblick in ein freies, unbeschwertes Leben erhalten. Dieser Ausflug hat sich tief in unser Gedächtnis eingegraben. Es war ein toller Ausflug und es ist immer noch so wie im Traum. Ein Land einmal wirklich kennen zu lernen, nicht das was alle sehen, sondern „dahinter“ zu schauen. Das ist es!

Wir fingen an laut zu denken. Die Gedanken wurden immer lauter, und Mike fragte nur, wie das denn nun mit dem Pico Duarte sei, dem höchsten Berg der Karibik, welcher hoch oben in der Cordillera liegt, und den wir vor wenigen Minuten noch in einem so tollen Abendrot haben verschwinden sehn.

„Mike, probieren wir es aus. Fahren wir zurück nach Jarabacoa und besteigen wir ihn. Zeit haben wir noch genug.“

Ja, und so begann das nächste Abenteuer. Ich spürte eine unerträgliche Sehnsucht und Unruhe in mir. Ich wollte es entdecken: Die dominikanischen Alpen. Ist es so, wie geschrieben wird, wie Freunde erzählen. Das letzte Abenteuer in der Dominikanischen Republik? Auch die letzten Tage waren Abenteuer. Kann es noch mehr geben in einem Land, welches vom Massentourismus „heimgesucht“ wird?

Ich studierte in den nächsten Tagen alles an Büchern und Prospekten, was ich finden konnte. Bald stellte ich fest, dass in allen Reiseführern dasselbe drinstand. Ich sprach mit Andreas, einem deutschen Entwicklungshelfer, welcher ein Spezialist in Sachen Lago Enriquillo und Krokodillen auch schon des öfteren den Pico Duarte bestiegen hat. Mit einem dominikanischen Kollegen haben sie ein Buch herausgegeben, mit mehreren Wegbeschreibungen zum und über den höchsten Berg der Karibik.

Foto: Anoli in den Bergen
Anoli auf dem Weg zum Pico Duarte © DomRepWorld.com

 

Es dauerte nur zwei Tage und das Buch befand sich in meinen Händen. Mehrere Wege boten sich an, den Pico Duarte zu übersteigen. Natürlich auch eine Geldfrage. Bisher hatte sich niemand bereit erklärt, dieses Abenteuer mit mir zu wagen.

Mike wollte nun doch noch ein paar Tage am Strand faulenzen. Er wollte sich die Besteigung des Pico nun für einen anderen Urlaub in der Dominikanischen Republik aufheben. Die Besteigung oder Überquerung des Pico Duartes ist auch eine finanzielle und zeitliche Frage. Mir war beides egal. Anstatt Mulis zu nehmen, könnte ich laufen, und somit etwas sparen. Auch könnte ich diese Tage mit Reis und Bohnen, sowie Dosengerichten auskommen. Das würde schon gehen.

Entdeckertour

Nun galt es die geeignete Route zu finden. In drei Tagen, der Schnelltrip, den eigentlich 95% der Touristen gehen. Ich entschloß mich, wenn ich dieses Abenteuer machen wollte, dann würde ich es richtig machen. Die Überquerung des Pico Duartes wollte ich in Angriff nehmen. Die kalkulierte Zeit ist 6 Tage. Wenn ich ein kleines Stück zurückgehen würde, könnte ich dann nach dem langen Weg nach San Juan gehen. Dieses wäre ein 10 Tages Trip, aber ich würde fast alle Wege kennen.

Die Planung war schnell erledigt. Mein Chef war ein wenig böse, als ich ihm mitteilte, daß ich nochmals fast zwei Wochen Urlaub benötige. Was heißt Urlaub, als Freiberufler kann man keinen Urlaub einreichen, man verdient ja auch nichts. Es gab im Moment viel zu tun, daher war der Zeitpunkt für die Firma nicht gerade der Beste. Aber im Tourismus ist es entweder so, dass viel zu tun ist, dann wird Geld verdient, man hat aber keine Zeit um etwas zu unternehmen. Oder aber es ist nichts los, dann verdient man aber auch kein Geld, kann also die freie Zeit nicht nutzen.
Da ich eine Drei-Tage-Tour zum Lago Enriquillo und in die Hauptstadt Santo Domingo ausgearbeitet hatte, diese bei den Gästen sehr gut ankam, war es also nicht möglich, alles so schnell abzublasen. Wir einigten uns auf die übernächste Woche, und so verblieben mir noch ein paar Tage zum erholen. Ich nutzte die Zeit mich im Sportstudio ein wenig vorzubereiten. Nicht das ich ein Schlappschwanz bin, aber über 180 km bergauf und bergab auf unbefestigten Wegen lagen vor mir. Meine Bänder waren auch nicht mehr die besten, also konnte ein wenig Training nicht schaden.

Endlich war es soweit. Der Tag der Abreise. Meine Frau meinte nur ich solle langsam machen, da immerhin zuhause auch noch ein Töchterchen warten würde. Sie glaubte mir nicht ganz, dass ich so ganz alleine und dann für zehn Tage in die Berge wollte.
Mathias war so nett und fuhr mich in die Berge. Einen Leihwagen konnte ich nicht nehmen, da ich auf einem anderen Weg zurückkommen wollte, wie ich hinein ging. Wir fuhren zunächst nach Santiago de los Caballeros. Von dort ging es in den Ort Mata Grande, welchen wir gegen 12:00 am Mittag erreichten.

Foto: Schutzhütte in den Bergen
Schutzhütte in den Bergen © DomRepWorld.com

 

Unsere Beine taten überhaupt noch nicht weh, als wir nach zwei Stunden des bergauf Marschierens bei der ersten Schutzhütte „Loma de Oro“ ankamen. Es war früher Nachmittag, und so sagten wir uns, dass wir noch ein wenig weiter laufen wollten. Die nächste Hütte allerdings, wo normalerweise übernachtet wird, lag vierzehn Kilometer mit steileren Berg und Tal-Passagen vor uns. Diese würden wir nicht mehr vor dem Dunkelwerden erreichen. So beschlossen wir einen kleinen Umweg zu machen, der die morgige Etappe aber um mehr als sechs Kilometer verkürzen würde. Die Strecke nach „Rancho Arriba“ würden wir in gut zwei Stunden zu schaffen.

Auch diesmal ging es durch Pinien- und Kiefernwälder. Die Sonne wirft schon recht lange Schatten durch die Baumwipfel. Wir hatten uns gerade auf einem umgefallenen Baumstamm niedergelassen, tranken genüßlich einen Becher Wasser, als keine zehn Meter von uns entfernt eine Schar von acht Papageien an uns vorüberzog. Es hatte gar keinen Zweck aufzuspringen um noch ein Foto zu machen. Also saßen wir schweigend da und sahen diesem fantastischen Schauspiel zu. So nah in freier Wildbahn Papageien beobachten zu können, ist einfach ein Erlebnis. In so einem Moment meint man, die Zeit bleibt stehen und dieses wunderschöne Singen der „Cotorra’s“ würde niemals aufhören.

Der Einblick in diese tropischen Bergwälder wurde von Stunde zu Stunde intensiver. Zwischen Pinien und Baumfarnen gab es Orangen- und Zitronen-bäume. Zig von Orangen nahmen wir uns als Wegzehrung mit. Mango- und Avokadobäume, auch dutzende Zierbäume am Wegesrand, es nahm einfach kein Ende mit dieser einzigartigen tropischen Vegetation …

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