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… Die Schutzhütten bestehen aus einem großen Gebäude, welche Platz für zwanzig bis hundert Personen bieten. Dort hält man sich ausschließlich zum Schlafen oder bei schlechtem Wetter auf. Geschlafen wird auf dem Holzfußboden. Wir hatten zusätzlich zu den Schlafsäcken noch Decken und dünne Matratzen als Unterlagen dabei. Das zweite Gebäude ist die Küche, je nach Größe mit mehreren Kochgelegenheiten. Toiletten sind in kleinerer Entfernung auch vorhanden. Natürlich gibt es einen großen Platz für ein Lagerfeuer, teilweise sogar überdacht.

Hermán fing an den Reis zu kochen. Unsere Mahlzeiten waren sehr einfach. Um Gewicht zu sparen hatte ich nicht allzuviel eingekauft, nur das Nötigste. Auf späteren Reisen mit Gästen nahmen wir lebende Ferkel, Hühner und Ziegen mit. Wir ließen es uns dann richtig gut gehen. Auch stellten wir nach dieser ersten Wanderung fest, dass eine genaue Planung und eine sehr gute Versorgung entscheidend für einen reibungslosen und Spaß bringenden Reiseverlauf sind. Bei einem Schluck Rum und einer guten Zigarre ließen wir den Abend am Lagerfeuer ausklingen. Am nächsten Morgen mussten wir zeitig heraus, und so war es früher Abend als wir müde, aber begeistert von diesem ersten Tag in den Schlafsack krochen. Mehrere Male wachte ich in dieser Nacht auf, da es in den Morgenstunden so ungewohnt kühl wurde, dass ich mir immer neue Pullover über zog.

Mit zitternden Gliedern erwachte ich dann auch am nächsten morgen. Es war wirklich bitterkalt und inständig hoffte ich, dass der Kaffee schon fertig wäre. Das war er. Die mitgebrachten Brötchen wurden über dem Feuer ein wenig gebacken, einen Schluck heißen Kaffee dazu und schon war der Magen gefüllt und der Körper erwärmt.

Nach diesem kurzen Frühstück verstauten wir unsere Sachen in den Packtaschen der Maultiere und machten uns auf den Weg. Ausgiebig frühstücken wollten wir dann in der Schutzhütte von „La Guacára“, welches ein Fußmarsch von sechs Kilometern, also zwei Stunden bedeutete. Das „Rancho Arriba“ befindet sich auf einer Höhe von 1.200 Metern. Diese, heutige Etappe würde uns bis zum Tal von Bao führen, welches schon auf 1.800 Metern über dem Meeresspiegel liegt. Um das zu erreichen mussten wir über vier Bergrücken mit teilweise recht steilen Auf- und Abstiegen wandern. Wir benötigten bis zur nächsten Hütte wesentlich mehr Zeit als eingeplant. Die Schutzhütte „La Guacara erreichten wir erst nach drei Stunden. Sie liegt wunderschön zwischen Pinienwäldern in einem winzigen Tal, nur durch eine zwanzig Meter breite Grasebene und Schilf vom Fluss Bao entfernt. Wir wärmten uns das Mittagessen kurz auf und erfrischten uns im Fluss. Dann hieß es auch schon weitermarschieren, da wir bis zum Tal von Bao noch zwölf Kilometer vor uns hatten.

Foto: Wanderer auf dem Weg zum Pico Daurte
Wanderer auf dem Weg zum Pico Daurte © DomRepWorld.com

 

Die Vegetation verdichtete sich teilweise dermaßen, dass kaum ein Sonnenstrahl durch die Baumkronen zu uns hindurch drang. Regenwald pur: Alte Mahagonistämme, riesige Kiefern und Guajakbäume reckten ihre Stämme siebzig, achtzig Meter hoch in den Himmel. Am Boden versuchten Baumfarne und etliche Palmenarten ihnen nachzukommen. Allerlei Bodengewächse wie Himbeeren, wilde Tomaten, Agaven von fast zwei Metern im Durchmesser ringen um die wenigen Lichtstrahlen, welche noch durch die Baumkronen schlüpfen. Ab dem späten Nachmittag zogen Wolken auf, und es wurde ein wenig frisch und auch schon fast dunkel in diesem tropischen Regenwald. Gegen sechs Uhr erreichten wir die Schutzhütte vom „Valle Bao“. Diese liegt inmitten eines zehn Quadratkilometer großen Tals. Büffelgras und mehr wächst in dieser Savanne. Viel war durch den dichten Nebel nicht zu sehen. Wir konnten auch den Fußweg nur erahnen. Das allabendliche Ritual begann. Die Maultiere versorgen, Feuer anmachen und Wasser holen. Um zum Fluss zu kommen musste ich mit diesen Schmerzen im Knie dreihundert Meter steil bergab stiefeln. Vor mir lag dann der Fluss, im Nebel eingehüllt. Trotz allem bot sich ein toller Anblick: Glasklares Wasser, leise über Steine fließend. Sich daraufhin in natürlichen Becken sammelnd und mit lautem Getöse in kleinen Kaskaden herunterstürzend, sich überschlagen in weißem Schaum aufspritzen und dann zwischen den grünen, von Schilf bewachsenen Ufern dahinfließen. Trotz der abendlichen Kühle setzte ich mich ein paar Minuten, um diesem Naturschauspiel zuzusehen. Das ständige Vogelgezwitscher war dann noch eine tolle Untermalung. Ich reiß mich los und stürzte nackt in die Fluten, wusch mich und wurde trotz des eiskalten Wassers nicht in die Realität zurückgeholt. Hermán kam mir auf dem Rückweg entgegen, er dachte es wäre etwas passiert, da ich über eine Stunde weg war. Ich erzählte ihm lachend von meinen Eindrücken. Er schmunzelte und sagte „si tu tienes razón“ ja, du hast Recht, es ist wunderschön. Kalt wurde es an diesem Abend. Ein großes Lagerfeuer, Kaffee und Rum hielten uns bei guter Laune. Hermán und ich lernten uns jetzt auch langsam näher kennen. Achtundzwanzig Jahre alt ist er, und seit seinem neunten Lebensjahr in diesen Bergen unterwegs. Früher, sagte er, war das alles anders. Aber seit die Regierung dieses Gebiet zum Nationalpark erklärt hat, änderte sich viel. Auch meine Familie, so Hermán, hatte hier oben ein kleines Holzhaus und ein paar Rinder. Wir bauten an, was wir zum Leben benötigten, Reis, Bohnen, Kartoffeln oder auch Kaffee. Wir hatten ein paar Hühner und auch Schweine. Salat und Obst fanden wir in den Bergen. Wir tauschten auch mit unseren Nachbarn. Es war ein sehr einfaches, aber erfülltes Leben. Auch hielten wir Hunde, davon gibt es heute noch einige wild in den Bergen. Mit diesen machten wir dann Jagd auf die Wildschweine, welche vor Jahrhunderten mit den Spaniern ins Land gekommen waren. Heute leben wir am Rande des Nationalparks, die Anbauflächen werden immer weniger und unergiebiger. Oft bleibt uns nur die Flucht in die großen Städte, denn das, was wir noch anbauen können, langt nicht um die Familie zu versorgen. Wenn wir Lebensmittel kaufen müssen, reicht es mit dem Geld vorne und hinten nicht. Das Leben ist sehr teuer geworden. Hermán ist deswegen nicht irgendwie verzweifelt. Er nimmt es gelassen und versucht sich auf den Tourismus einzustellen, welcher stetig zunimmt in den Bergen dieser Zentralkordillere. In dieser Nacht schliefen wir wie Steine, immerhin hatten wir in den letzten beiden Tagen dreißig Kilometer hinter uns gebracht. Am nächsten Morgen lag noch sanfter Frühdunst über dem Tal. Die Berge um uns stachen gestochen scharf in den Himmel, nur die Savanne war eingehüllt in diesen weißen Teppich. Während wir frühstückten, unsere Rucksäcke packten, hebt sich der Teppich langsam an und löste sich auf. Ein Bilderbuchtal lag vor uns.

Foto: Rio Bao
Brücke über den Rio Bao © DomRepWorld.com

 

Unser Weg führte uns zunächst einen Kilometer durch das Tal. Auf den nächsten zehn Kilometern, zum zweithöchsten Berg der Karibik „La Pelona“, ging es stetig bergauf. Die Vegetation wird überwiegend von Pinien bestimmt.

Entdeckertour

Auf den letzten zwei Kilometern zum Pico La Pelona sehen wir die verehrenden Ausmaße der „Candela“, des Buschbrandes vom November und Dezember 1996. Fast sechs Wochen wütete dieses Feuer, wahrscheinlich durch eine Brandrodung von Bauern verursacht, welche dann aber außer Kontrolle geraten war. Mehr als fünfhundert Helfer waren im Einsatz und versuchten diesen Brand mit Stöcken und Zweigen zu löschen. Ein aussichtsloses Unterfangen den Nationalpark zu schützen. Nach sechs Wochen fing es zum Glück an zu regnen. Vier Tage ununterbrochen Regen. Eine Fügung des Schicksals, den die Helfer hätten es ohne diesen Dauerregen niemals geschafft den Brand zu stoppen. Die Voraussagen deuteten schon auf eine Vernichtung der beiden Nationalparks mit einer Gesamtfläche von über 1.500 qkm hin. Fast ein Drittel (250 qkm) des Carmen Ramírez Nationalparks verbrannte, davon mehrere Millionen junger Pinien. Die Helfer lebten sechs Wochen in den Wäldern, die Versorgung mit Lebensmitteln war schwierig, sie litten Hunger und lebten in ständiger Angst vom Feuer eingekreist zu werden. Vier Menschen starben bei diesen Löscharbeiten. Mittlerweile erholt sich der Baumbestand des Nationalparks wieder. Wir hatten herrliche Ausblicke auf die umliegende Bergwälder und Täler. Der Weg zum Pico La Pelona läßt uns oft verweilen. Sogar die Hütte im Bao-Tal, in welcher wir die letzte Nacht verbrachten, war zu sehen … … des öfteren haben wir diese Wanderung mit Gästen nun schon unternommen. Nicht in der beschriebenen, abenteuerlichen Weise. Aber aus den Erfahrungen dieser Reise sind Wander- und Trekkingtouren entstanden, welche Zeit für die herrliche Natur und auch für etwas Muße lassen. Ein Touch Abenteuer und Lagerfeuerromantik ist in den tropischen Bergregionen immer noch dabei. Erholungstage und eine abwechslungsreiche und nahrhafte Kost tragen dazu bei, dass wir viel Spaß auf unseren Wanderungen haben.“

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