6. Tag

Heute am sechsten Tag stand wieder der Besuch eines Nationalparks auf dem Programm. Es ist einfach so, dass der Südwesten ein einzigartiges biologisches Reservat ist. Viele Gebiete sind geschützt. Der Südwesten des Landes mit der Sierra de Neiba, die Enriquillo-Senke, die Sierra de Bahoruco und der Nationalpark Jaragua sind bei der UNESCO als Naturreservate der Biosphäre vorgeschlagen worden. Es existieren weltweit in über 100 Ländern 300 dieser „Reserva de Biosfera“.

Von Pedernales fuhren wir wieder zurück nach Oviedo. Hier befindet sich die Laguna Oviedo. Eine Brackwasser, also Süß-Salzwasser-Lagune, welche nur durch einen schmalen Landstrich vom Meer getrennt ist. Auf kleineren Inseln in der Lagune finden sich Leguane. Am Vortag hatten wir bereits kurz bei der Parkverwaltung gestoppt und unser Kommen angemeldet. Es ist möglich ein Boot zu mieten um zu den Inseln zu fahren. Uns ging es aber nicht um die Leguane, sondern wir wollten die Flamingokolonie besuchen. Es war noch recht früh am Morgen, wir fuhren mit dem Verwalter des Nationalparks an der Lagune entlang. Von Vorteil ist hier ein Allrad-Fahrzeug. Am Ufer des Sees gibt es immer wieder feuchte Abschnitte, in denen man sich schnell festfahren kann. Die Flamingos standen vereinzelt schon am Ufer. Wir wollten zu etwas abgelegen Gebieten vordringen und ließen das Auto nach zehn Minuten Fahrt am Ufer stehen und gingen zu Fuß durch Schlamm und Wasser weiter. Von weitem sahen wir die Flamingos schon. Auch Löffler und Enten standen im seichten Wasser und suchten sich ihre Mahlzeiten im Schlamm. Wir konnten recht nah heran und die Kameras surrten bis die Akkus leer waren.

Es war bereits Mittag als wir Oviedo verließen. Die knapp 100 Kilometer bis Barahona „bummelten“ wir zurück. Wir genossen die dominikanische Cote de Azur und machten viele Fotostopps in den kleinen, direkt am Meer gelegenen Ortschaften. Im Ort Los Patos fließt ein glasklarer Gebirgsfluss direkt ins Meer. Der Fluss wird aufgestaut, so dass sich ein natürliches Schwimmbad bildet. In kleinen Restaurants wird frischer Fisch und Langusten zubereitet. Dieses öffentliche „Schwimmbad“ nennt sich El Paraíso: Das Paradies.

Hier machten wir eine längere Rast, genossen das kühle Bad im Fluss und wanderten ein wenig am Strand entlang. Einen Sandstrand gibt es hier nicht. Über Kilometer finden sich weiße, kleine und größere Kieselsteine. Die Wellen waren heute recht hoch und wir unterließen es im Meer zu baden. Die Gegend macht ihrem Namen El Paraíso alle Ehre: Palmen und tropische Bäume säumen das eine Ufer des glasklaren Flusses. Am anderen spiegeln sich die weißen Kieselsteine in der Sonne. Türkis das Meer und mit weißen Schaumkronen versehen, wenn sich die Wellen am Strand brechen. Ein letztes Mal auf unserer Rundreise aßen wir frisch zubereiteten Fisch. Als Beilage gab es frittierte Kochbananen. Einfach köstlich. Am frühen Nachmittag verließen wir den Südwesten des Landes. In Barahona machten wir noch eine Stadtrundfahrt und fuhren dann weiter in Richtung Santo Domingo. Zwischen Azúa und Baní fuhren wir dann wieder in die Berge. San José de Ocoa war unser heutiges Ziel. Die Stadt befindet sich am südlichen Ausläufer der Zentralkordillere und lebt von der Landwirtschaft. Für uns war sie Ausgangspunkt für die Fahrt nach Constanza.

7. Tag

Um vom Süden der Dominikanischen Republik in den Norden zu fahren gibt es mehrere Möglichkeiten. Mit Sicherheit aber komfortablere und schneller wie die, die wir uns für vorgenommen hatten. Wir wollten über das Valle Nuevo nach Constanza und von dort dann wieder nach Las Terrenas fahren. Das Valle Nuevo ist ein Hochgebirgstal und liegt auf über 2.000 Meter. Der höchste Berg ist der „Alto Bandera“ mit über 2.600 Metern. Die Befahrbarkeit der Strecke ist wie die Carretera International witterungsabhängig. Der Unterschied ist, dass es hier in der Zentralregion der Dominikanischen Republik um ein vielfaches regnet, so dass die 80 Kilometer von San José de Ocoa bis nach Constanza zu einer Schlammschlacht werden könnten.

Foto: Auf dem Weg ins Valle Nuevo
Auf dem Weg ins Valle Nuevo © DomRepWorld.com

 

Es ging früh los und wir schafften es in zwei Stunden bis zum Mittelpunkt der Insel Hispaniola. Wir waren die recht trockene, südliche Seite die Berge herauf gefahren und befanden uns bereits im Valle Nuevo. Dort auf dem Hochplateau befindet sich eine von Trujillo gebaute Pyramide, welche angeblich genau den Mittelpunkt der Insel Hispianola anzeigen soll. Es war kühl hier oben. Wir zogen uns Pullis über und im Jeep wurde die Heizung angeschaltet. Hier auf über 2.000 Meter betrug die Temperatur jetzt kurz vor Mittag erst 16°C. Teilweise war es noch neblig. Die feucht-grüne Vegetation vermittelte den Eindruck eines deutschen Frühlingstages. Nun ging es an der Nordseite wieder bis auf 1.200 Meter herunter bis nach Constanza. Die Nordseite ist regenreicher als die Südseite. Aber wir hatten Glück. Die Strecke ist erheblich kürzer wie die Auffahrt, wir brauchten aber auch zwei Stunden bis nach Constanza. Es ging relativ gut, da es anscheinend in den letzten Tagen nicht sehr viel geregnet hatte. Die teilweise blank liegenden Felsbrocken auf dem Weg bereiteten dem recht großen Jeep keinerlei Probleme.

Constanza ist die Gemüsekammer der Dominikanischen Republik. Angebaut werden hier Kartoffeln, Zwiebeln, Erdbeeren und Blumen. Der Ort liegt in einem Talkessel und die Landschaft sieht aus wie in einem Karl-May-Film. Von Constanza ging es dann an Kaffeeplantagen vorbei wieder in das Cibao-Tal hinunter. Die Bergstraße wird von Gemüsehändlern mit kleineren LKW’s stark befahren und muss von Zeit zu Zeit neu asphaltiert werden. Zur Zeit wird sie generalüberholt und verbreitert, was zu Staus führte und uns zu Fotostopps verhalf. Im Cibao-Tal angekommen fuhren wir ein Stück die Autobahn in Richtung Westen und bogen vor La Vega nach San Francisco de Macoris ab. Wir probierten im Burger King einen Hamburger und stellten fest, dass die Hamburger in Deutschland genauso schmecken. In Nagua kamen wir wieder auf die nördliche Küstenstraße. Östlich ging es weiter auf die Halbinsel Samaná bis nach Sánchez. Von dort die schöne Bergstrecke wieder nach Las Terrenas und wir waren wieder an unserem Ausgangspunkt angekommen. Vielleicht erwartest Du jetzt ein Schlusswort. Es gibt keines, da ich in der glücklichen Lage bin die vielen tollen Eindrücke aus der „wirklichen“ Dominikanischen Republik jederzeit aufs Neue genießen zu können. Auch Du kannst es: Besuche die Dominikanische Republik und erlebe sie auf einer individuellen Rundreise. Der Reisebericht spiegelt nur die wichtigsten Eindrücke wieder. Eine Woche Rundreise quer durch die Dominikanische Republik liefert Material für ein Taschenbuch.