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Für europäische Verhältnisse ist es nicht einfach über Arm und Reich zu reden. Viele Urlauber kommen in die Dominikanische Republik und denken: Mensch hier kann ich nicht leben. Überall Müll, die „Hütten“ fallen halb zusammen, da kann ich nicht drin wohnen.

Sicher zählt die Dominikanische Republik zu den Dritte Welt Ländern, aber waren diese Urlauber schon mal in Haiti?

Hier in der Dominikanischen Republik werden fünf Prozent der Bevölkerung zu den Reichen gezählt. Diese kontrollieren achtzig Prozent des Landes. Das heißt, sie sitzen in der Wirtschaft, Politik und sie sind Großgrundbesitzer. Es sind wenige große Familienklans.

Diese Schicht ist weiß oder sehr hellhäutig und sie wissen schon gar nicht mehr wohin mit ihrem Geld.

Zwanzig Prozent der Bevölkerung zählen zum Mittelstand. Dieser Mittelstand ist sich gerade am aufbauen, oder besser gesagt, er war sich am entwickeln. Zur Zeit geht es wieder bergab. Durch die Zunahme des Tourismus, Zuwanderung von Ausländern und steigenden Bevölkerungszahlen wird immer mehr benötigt, vor allem in der Landwirtschaft und im Tourismussektor gibt es Möglichkeiten sich eine Existenz aufzubauen.
Voraussetzung dazu ist ein weiterhin stabiles Wachstum und natürlich auch eine Mentalitätsfrage.
Der Mittelstand besteht meist aus den Dominikanern welche schon des öfteren im Ausland waren und auch eine entsprechende Schulbildung nachweisen können.

Somit bleiben noch Dreiviertel der Bevölkerung über, welche zu den Armen gezählt werden. Das heißt aber nicht, das diese Bevölkerungsschicht hungert, nur weil sie zu den Armen gezählt werden. Gehungert wird hier im Lande kaum. Vor allem nicht auf dem Lande. In den Armenvierteln der Großstädte, wie in Santo Domingo, Santiago und San Pedro de Macorix schon.

Dominikanische Kinder in Boba

Übrigens hier im Lande ist die Hälfte der Bevölkerung unter achtzehn und 58% unter fünfzehn Jahren alt. Auf jeden Mann kommen vier Frauen, statistisch gesehen. Die Männer sagen zwar immer acht, aber offiziell sind es vier. Aber in Wahrheit weiß es keiner so genau. Es gibt auch eine wissenschaftliche Erklärung für diesen Frauenreichtum, dass würde aber den Rahmen eines jeden normalen Gespräches sprengen.

Die letzte Volkszählung liegt schon Jahre zurück. Auch werden die Volkszählungen nicht so genau genommen. Mittlerweile gibt es zwar Computer, gerade für die Präsidentschaftswahlen wird die Bevölkerung mittlerweile per Computer erfasst, es gibt neue Personalausweise. Trotz allem ist es kein Problem zwei Personalausweise zu erhalten, usw. Es passierte, dass Personen doppelt gezählt wurden, wenn sie während der Volkszählung den Wohnort wechselten. Oder sie wurden überhaupt nicht gezählt.

Auch hatten bisher die wenigsten Einwohner Geburtsurkunden oder Personalausweise. Wofür auch. Mittlerweile geht es schon ein wenig geordneter zu. Es wird bei Behörden, etc schon nach Papieren gefragt und so ist die Bevölkerung bestrebt diese zu regeln. Dadurch wird man in ein paar Jahren genauere Daten und Zahlen über die Bevölkerung erhalten können.

Die Einwohnerzahl von ungefähr drei Millionen kommt der Realität schon sehr nahe. Ein Viertel der Bevölkerung ist weißer Hautfarbe, ein Viertel ist schwarz und die fehlende Hälfte ist das, was viele Urlauber werden möchten: Kaffeebraun, also Mulatten. Wir sagen hier Indios.

Im Gegensatz zu den Haitianern ist der Dominikaner ein reines Völkergemisch.

Zunächst lebten hier auf der Insel Hispaniola die Ureinwohner, die Tainos, dann kamen die Spanier. Mit diesen die afrikanischen Sklaven. Dieser afrikanische Ursprung wird sehr oft geleugnet.
Dann kamen die Franzosen, Holländer, Engländer und die Portugiesen. Also eine richtige kunterbunte Mischung. Das alles ist im Dominikaner enthalten.

In diesem Zusammenhang gibt es auch tolle Souvenirs zum Mitnehmen wenn ihr wollt. Dies sind Keramikpuppen. Sie nennen sich Limespuppen. Sie haben einen Kopf auf dem Rumpf, das Gesicht aber ist nicht ausgemalt. Dies zeigt die Identitätslosigkeit der dominikanischen Bevölkerung auf. Diese hat aber ein Ende gefunden.

Stellt euch mal eine Bauernfamilie auf dem Lande vor: Vater, Mutter und sechs Kinder, davon sind fünf Mädchen. Oma, Opa, Tanten und Onkel wollen wir mal beiseite lassen.

Diese Bauernfamilie besitzt ein kleines Grundstück, es wird Mais, Yuka oder Kaffee angebaut. Vielleicht besitzt die Familie noch ein Schwein und ein paar Hühner. Es langt gerade um die Familie zu ernähren. Das was zum Leben nicht direkt benötigt wird, wird verkauft und von dem Erlös wird das eingekauft, was man selber nicht hat. Im kleinen Colmado an der Ecke kann auch angeschrieben werden. Dort gibt es das zur Versorgung nötigste. Vor allem Lebensmittel und Rum.

Tankstelle im Landesinneren der Dominikanischen Republik

Es gibt hier im Lande ein ausgeklügeltes Transport- und Versorgungssystem. Es fahren Lkws und Pick-Up’s vollgeladen mit Lebensmitteln, Haushaltgegenständen, Kleidung und sogar mit Versandhauskatalogen durch das Land und verkaufen ihre Waren. Avon gefällig?

Wenn diese „Fliegenden Händler“ mit ihren großen Fahrzeugen nicht mehr durchkommen, dann gibt es andere die mit Motorrädern und sogar Eseln die Ware weiter transportieren.

Stellt euch mal so eine rollende Boutique vor. Der Pick-Up hält im Dorf, die Mädchen und Frauen stürzen aus den Häusern und schauen sich die Kleider, Schminke, Parfüm und Blumengestecke, Spiegel, etc. an.

Eine neue Bluse und ein Lippenstift kosten in der Stadt zusammen 250 Peso.

Der fliegende Händler möchte auch etwas verdienen und nach einem halbstündigen harten Feilschen einigt man sich auch 550 Peso. Dieses Geld hat das Mädchen aber nicht in bar. Nun wird auf Kredit gekauft. Darum ist der Preis so hoch, die Kreditzinsen sind bereits eingerechnet.

Würde das Mädchen bar zahlen käme sie die gleiche Ware auf 300 bis 350 Peso.
Dieses System des auf Kredit kaufen nennt sich „Fiao“ und funktioniert reibungslos im ganzen Land.
Auch Möbel, Kühlschränke, Fernseher, Stereoanlagen, Autos und auch Lebensmittel kann man sich so anschaffen.
Die Zinsen sind egal wo, sehr hoch, da das Mädchen in unserem Beispiel wöchentlich nicht mehr als zwanzig Peso bezahlen kann.

Der Händler kommt jede Woche und wenn irgendwann alles bezahlt ist wird sich gleich wieder was neues gekauft. Meistens dauert die Abzahlung solange bis die Kleider oder der Lippenstift aufgebraucht sind.

Und so kommt auch der Fernseher ins Haus. Den ersten Fernsehkanal gibt es seit 1952 und gehörte Arimendy, dem Bruder von Trujillo. Es war der Kanal 4. Heute existieren acht Kanäle und Sender. Die beliebtesten Sendungen sind die Novellen, oder besser Groschenopern wie Melrose Place oder Lindenstraße. Täglich außer Sonntags ist es wirklich in jedem dominikanischen Kanal das absolute Lieblingsprogramm.
Hier wechseln sich dann auch die Werbung und der Film im Viertelstundentakt schön ab. Manchmal glaube ich ist mehr Werbung als überhaupt der Film.

Jetzt müsst ihr euch das vorstellen: Die Familie lebt auf dem Lande, kann sich gerade ernähren und in den Werbeblöcken sehen sie dann alle die schönen Dinge die man in den Supermärkten und Kaufhäusern in Santo Domingo kaufen kann.

Diese amerikanischen Supermärkte haben absoluten europäischen Standard. Jetzt kommt dann am Abend der Mann von der Feldarbeit nach Hause. Die Frau erzählt von den tollen Kleidern und Blusen, tollen Häusern und Autos. Sie träumt von einem Leben in der Stadt, wo es alles zu kaufen gibt.

Der arme Kerl. Jeden Abend muss er sich das anhören.
Was macht er? Er geht in die nächste Kneipe und trinkt seine Flasche Rum.
Irgendwann aber sagt er sich dann doch, dass er eigentlich seiner Frau und Kindern etwas gutes tun möchte.

Alles was sie besitzen verkauft er. Das Haus wird abgebaut. Das Grundstück kann er nicht verkaufen, er lebt meistens nur geduldet auf diesem kleinen Stück Land. Auch wenn die Möbel oder die Stereoanlage noch nicht bezahlt sind, verkauft wird einfach alles.

Die Frau und Kinder gehen zu den Eltern, bis der Mann einen festen Job in Santo Domingo und Santiago gefunden hat. In der Großstadt angekommen stellt er bald fest, dass es die Arbeit die er sucht nicht gibt.

Ohne Arbeit kein Geld und ohne Geld auch kein Essen. Die Ersparnisse sind bald aufgebraucht, und helfen kann ihm in der Stadt auch niemand. Dort gibt es nicht den Zusammenhalt wie in seinem Dorf. Das Leben ist knallhart. Was ihm meistens übrig bleibt ist der Weg in die Armenviertel und er schlägt sich mit Gelegenheitsarbeiten und betteln durch.

Entdeckertour

In sein Dorf möchte er nicht zurück, was soll er seinen Freunden und seiner Familie sagen?

Sie lachen ihn aus wenn er es in der Stadt nicht geschafft hat, den bevor er in die Stadt ging hat er überall groß angegeben, dass er als reicher Mann zurückkommen wird.

Eine Möglichkeit bleibt dem Mann noch: die Flucht nach Amerika. Diese Flucht kostet aber auch schon über 10.000 Peso.
Die Boote, die benutzt werden, sind teilweise kleine Nussschalen, vollgestopft bis über den Rand – überladen.

Puerto Rico ist der erste Anlaufhafen. Hat man Puerto Rico erreicht, hat man es so gut wie geschafft. Puerto Rico ist amerikanisch, gefälschte Papiere sind schnell besorgt und schon ist man in New York. Der Haken an der Sache ist die erste Überfahrt nach Puerto Rico.

Zwischen der Dominikanischen Republik und Puerto Rico befindet sich der sogenannte Mona Graben mit dem Mauhawkeepunkt. Dieser ist einer der tiefsten Meeresgräben der Welt, über 9.000 Meter tief.
Das was es an der Küste nicht gibt, die Haie, die gibt es dort. Die Boote sind teilweise den Wind und Wetterbedingungen nicht gewachsen. Die Wellen sind meterhoch. Nur ein Drittel der Boote die hier losfahren kommen auch in Puerto Rico an. Sie gehen unter oder werden aufgegriffen.

Diese Landflucht bringt viele Familien an den Rand des Erträglichen. Der Staat versucht mittlerweile diese Landflucht aufzuhalten indem er Freihandelszonen und sonstige Möglichkeiten der Beschäftigung auf dem Lande schafft.
Er hat die Notwendigkeit erkannt die Menschen auf dem Lande zu halten. Die Städte platzen aus allen Nähten. Sozialer Wohnungsbau, Krankenhäuser und Schulen werden vermehrt in ländlichen Gegenden errichtet.
Auch wird versucht die Infrastruktur mit Strom- und Wasserversorgung im Landesinneren zu verbessern.

Ohne Strom fernsehen? Kein Problem. Die Antenne ist ein leeres Leitungsrohr und der Strom wird durch eine Autobatterie erzeugt.

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