No Problema!

Hör zu wenn ein Dominikaner seine Hände in den Himmel streckt und sagt: „No problema“. Wenn du das hörst, hast du als ahnungsloser „Frischling“ hier in der Dominikanischen Republik gute Chancen zu denken, dass es hier keine Probleme gibt, sondern die Sonne den lieben langen Tag scheint. Das ist ein Trugschluss. Die einfache Wahrheit ist, dass Dominikaner einfach glücklich sind und sie wollen das alle anderen Menschen auch glücklich sind.

Also, wenn ein Dominikaner sieht, dass du dich gerade in einer etwas schwierigen Lage befindest, wird er niemals sagen: „Oh, das sieht irgendwie nicht so gut aus“. Nein, er wird lächeln und sagen: „Kein Problem“.

Die wahre Bedeutung von „no hay problemas“

In meiner Anfangszeit hier im Lande habe ich mir meine CD-Sammlung per Luftfracht aus Deutschland schicken lassen. Kein Problem. 300 Original-CDs. Sie kamen auch an. Meine Familie informierte mich, wann die Sendung abgeschickt wurde und in welchem Zollbüro ich sie abholen könnte. Die Sendung wurde mit dem Flieger nach Puerto Plata geschickt. Also fuhr ich pünktlich zur Ankunft des Fliegers zum Flughafen und wurde in der Zollbehörde vorstellig.

„Ja, der Flieger ist angekommen. Nein, das Paket ist noch nicht hier im Zollbüro. Aber das ist kein Problem. Komme es morgen abholen, denn wir schließen das Büro jetzt.“ Also wieder nach Hause und am nächsten Morgen wieder nach Puerto Plata zum Zoll: „Nein, ein Paket für dich war bei der Sendung nicht dabei. Aber das ist kein Problem, lasse mich nochmal nachschauen und ein paar Telefonate führen.“ Nach einer Stunde warten kam der Beamte und sagte: „Ich sagte doch, das wir das Paket finden und wir haben es gefunden. Versehentlich ist es mit einer anderen Sendung nach Santo Domingo geschickt worden. Aber das ist kein Problem. Wir haben Bescheid gegeben und sie schicken es zurück. Bitte komme morgen nochmal wieder, dann weiß ich mehr.“

Also, am nächsten Tag wieder zum Zoll. Der Beamte kannte mich noch und freute sich mich zu sehen. „Lass mich kurz in Santo Domingo anrufen, mal schauen wo dein Paket ist“. … So ging das ungefähr eine Woche lang. Es ging soweit, dass ich mich ins Auto setzte und nach Santo Domingo fuhr. Das tolle an der Sache war, als ich nach fast einer Woche der eigentlichen Ankunft des Paketes in Puerto Plata, beim Zoll in Santo Domingo vorstellig wurde, was damals eine Fahrtzeit von fast 5 Stunden bedeutete, also dort nach Mittag eintraf, mir der Zollbeamte sagte: „Ja, das Paket wurde versehentlich zu uns geschickt, aber das ist kein Problem, heute morgen ging es bereits zurück nach Puerto Plata.“

So ging das Spiel also eine ganze Weile und ich entdeckte die wahre Bedeutung von „no problema“. Irgendwann kam ich auch zu meinem CDs: Ich benötigte sechs Fahrten zum Flughafen nach Puerto Plata, eine Fahrt nach Santo Domingo, eine Menge an Papierkram und gute Nerven. Einer meiner dominikanischen Bekannten sagte mir danach mal: „Siehst du, es war alles kein Problem.“

Dominikanischer Tankwart Dominikanischer Tankwart bei Monte Cristi © FrankMarenbach.de

Wenn etwas passiert.

Hierin liegt das Problem der „kein Problem“-Definition. Viele Gringos denken, dass wenn die Dinge nicht dann geschehen, wenn sie geschehen sollten, also nicht in dem festgelegten Zeitplan, dass das dann ein Problem sei. Die Dominikaner glauben, dass wenn überhaupt etwas passiert, unabhängig von Ort und Zeit, dass dann alles gut ist.

Ein hervorragendes Beispiel ist ein müder Tourist der am Park von Puerto Plata spazieren geht. In den kühlen Morgenstunden begann er mit einem Stadtbummel auf eigene Faust. Er war so fasziniert aus seiner „All-Inklusive-Anlage“ in der Playa Dorada raus zu kommen, dass er den langen Weg in die Altstadt von Puerto Plata gar nicht wahrnahm. Er fand das Bernsteinmuseum, bummelte über den Markt und fand sich irgendwann am Park mit seinem wunderschönen Pavillon wieder. Mittlerweile war Siesta-Zeit: Mittag und die Sonne brannte ohne Gnade und hatte ihm schon Gesicht und Arme verbrannt. Schweiß läuft ihm den Nacken herunter. Sein mit einem Sonnenuntergang bedrucktes T-Shirt klebt ihm am Körper. Er ist unruhig und „hüpft“ von einem Fuß auf den anderen und schaut unruhig in der Gegend umher. Sein Hotel müsste eigentlich hier irgendwo in der Nähe sein. Er findet nur den richtigen Weg nicht mehr. Dabei müsste er so dringend eine Toilette aufsuchen.

Endlich fragt er einen Dominikaner: „Wo bitte ist mein Hotel?“ Der Dominikaner kennt das Hotel. Wirklich, er weiß, dass es sich in der Playa Dorada befindet und wie weit weg es ist. Wird er dem armen Touristen sagen, dass er viel weiter zu gehen hat als sich dieser das vorstellen kann und so die nervöse Anspannung des Mannes noch erhöhen? Nein, der Tourist möchte unbedingt in sein Hotel zurück. Dort angekommen wird er glücklich sein, sich wieder wohlfühlen. Also warum sollte man ihn unglücklich machen? „Kein Problem“, sagt der Dominikaner, „das Hotel ist nur immer geradeaus die Strasse runter“.

Der Tourist entspannt sich. Er ist wirklich glücklich. Er setzt seinen Weg unbeschwert und in guter Laune fort. Zumindest der erste Teil des Weges ist viel einfacher, als wenn er gewusst hätte, wie weit sein Hotel in Wirklichkeit entfernt ist.

Take it easy – das Leben ist leicht.

„Kein Problem“ ist ein Teil des karibischen Lebens. Ein Lebensgefühl.

Was gestern passiert ist, ist heute bereits vorbei und absolut belanglos. Was morgen kommt, das sehen wir dann: „mañana“, morgen eben. Was wir gestern hätten machen wollen, vielleicht machen wir es an einem anderen Tag…

Einmal fand ich mich in einer etwas eigentümlichen Situation wieder. Ich wollte ein kleines Bergdorf im Landesinneren besuchen. Auf dem Weg dorthin hatte ich in einem Restaurant etwas gegessen und getrunken. Meinen Geldbeutel mit allen Papieren habe ich im Restaurant liegen lassen und merkte es erst, als ich gut eine Stunde später an einer Tankstelle die Rechnung bezahlen wollte. Jetzt hatte ich ein Problem und der dominikanische Tankwart bestätigte meine Diagnose. Er winkte mit der Hand von oben nach unten durch die Luft und sagte: „no problema“. Dann ging er an die Tanksäule, lehnte seine Stirn gegen sie und murmelte in Spanisch: „Ayyy. Qué problema!“ Ein Dominikaner sagt, es gäbe ein Problem? Ich geriet in Panik und stieg aus dem Auto aus. Ich sagte: „Eh?“ Der Tankwart drehte sich um. Er lächelte. Er strahlte. Er winkte glücklich mit der Hand durch die Luft und sagte: „no problema“. Ich atmete einen Seufzer der Erleichterung. Und er hatte Recht. Es gab kein Problem. Wir machten ein paar Anrufe und im Vertrauen auf die telefonischen Aussagen mehrerer Freunde konnte ich weiterfahren. Ich fuhr zurück zum Restaurant. Fast unglaubwürdig, aber mein Geldbeutel war noch da! Ich fuhr zurück und bezahlte den Tankwart und setzte endlich meine Reise fort.

Merke dir und vergiss es nicht: Unter karibischer Sonne gibt es keine Probleme – und erst recht nicht in der Dominikanischen Republik!

Im Artikel der nächsten Woche zum „Auswandern in die Dominikanische Republik“

findest du ein paar Tipps, was du bei einem Umzug in die Dom. Rep. mitbringen solltest und was du dir an Gepäck sparen kannst. Es gibt hier Möbel, Küchengeräte, ja eigentlich alles. Aber lese mal den Artikel in der nächsten Woche.